Selbstverteidigungs-Kurs für Pflegedienst

Manuela Gottlöber (4. Dan) trainiert seit über 20 Jahren Karate und gibt Selbstverteidigungs-Kurse für Mädchen und Frauen. Hauptberuflich arbeitet Sie als Physiotherapeutin und hat dabei auch Kontakt mit pflegebedürftigen Menschen. Dadurch kennt Sie die Besonderheiten die bei der Arbeit mit ängstlichen oder verwirrten Patienten auftreten können. Gerade hat Sie einen Selbstverteidigungskurs für die Mitarbeiterinnen der mobilen Dienste der evangelischen Heimstiftung Besigheim durchgeführt. Die mobilen Dienste bieten Beratung, Pflege, Betreuung und hauswirtschaftliche Dienstleistungen in allen Lebensbereichen zu Hause an.

Zu diesem Kurs beantwortet Manuela Gottlöber ein paar Fragen:

Wie kam es zu dem Kurs?
Eine Mitarbeiterin der evangelischen Heimstiftung Besigheim hat zusammen mit ihren Töchtern an einem meiner Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen teilgenommen. Sie hat mich der Heimstiftung empfohlen.

Warum wollte die evangelische Heimstiftung den Kurs durchführen?
Die Mitarbeiterinnen der mobilen Dienste sind oft früh morgens und spät abends alleine unterwegs. Je nach Jahreszeit dann auch bei Dunkelheit. Außerdem gibt es bei der Pflege immer wieder Situationen in denen Patienten plötzlich aggressiv oder gewalttätig werden. Dies geschieht oft ohne böse Absicht, zum Beispiel bei dementen, verwirrten oder ängstlichen Patienten.

Wie viele Mitarbeiter haben an dem Kurs teilgenommen?
Wir waren eine Gruppe mit acht Frauen. Bei einer solch kleinen Gruppe konnte ich ganz individuell auf die Teilnehmer eingehen und sie an die verschiedenen Themen heranführen.

Worum ging es bei diesem Kurs?
Der Schwerpunkt lag zum einen darauf die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter zu erhöhen, um gefährliche Situationen zu erkennen, zum Beispiel auf dem Arbeitsweg im Dunkeln. Zum anderen ging es darum rechtzeitig zu erkennen, wann eine Distanzunterschreitung vorliegt – privat und im Pflegeberuf.

Wie oft habt ihr trainiert?
Wir haben 6mal eine Stunde trainiert. Ich empfehle einen solchen Kurs regelmäßig durchzuführen. Einen Automatismus um schnell reagieren zu können erreicht man oft erst nach vielen Jahren Training. Aber ein paar einfache Techniken zur Befreiung können relativ schnell erlernt und eingesetzt werden.

Bist du in deinem Karateanzug zum Training gekommen?
Nein, ich habe ganz normale Straßenkleidung getragen. Wir haben ja ganz alltägliche Situationen durchgespielt, und Selbstverteidigung muss auch in Alltagskleidung funktionieren. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes waren auch ganz normal gekleidet, einige kamen direkt von ihrem Dienst, andere haben anschließend begonnen zu arbeiten.

Wann kann eine Pflegekraft Selbstverteidigungskenntnisse bei Ihrer Arbeit brauchen?
Pflegende erleben es öfters, dass sie von einem Patienten am Arm gepackt werden und der Patient nicht mehr loslässt. Da kann man sich als Pflegekraft schon mal hilflos fühlen, schließlich will man dem Patienten nicht weh tun oder ihn gar verletzen. Es gibt auch Patienten die schlagen um sich, wollen beißen oder werfen mit Gegenständen. Gründe für eine solche Reaktion des Patienten können einfach nur Unsicherheit oder Angst sein.

Was habt ihr geübt?
Unter anderem habe ich den Mitarbeitern gezeigt wie sie sich befreien können. Gerade für den Fall, dass sie am Arm festgehalten werden. Es gibt einfache Hebeltechniken um sich aus einer Umklammerung zu befreien. Das tut dem Patienten nicht weh und verletzt ihn nicht.
Zum anderen sollen die Mitarbeiter eine Distanzunterschreitung rechtzeitig erkennen. So können Sie bei  aggressiven Patienten sofort an ihren Eigenschutz denken. Oder, es gibt auch unangenehme Situationen, wenn Patienten plötzlich zudringlich werden, hier müssen sofort Grenzen gesetzt werden. Auch bei scheinbar harmlosen Grenzüberschreitungen.
Da die Mitarbeiter der mobilen Dienste viel unterwegs sind, war auch das Verhalten auf Arbeitswegen bei Dunkelheit ein Thema. Ich habe den Frauen hierfür einige Tipps gegeben, zum Beispiel wie sie sich vor dem und beim Verlassen des Autos verhalten sollen.

Was war dir bei dem Kurs wichtig?
Die Teilnehmer sollten Techniken und Verhaltensweisen kennen lernen und üben können, so dass sie bei ihrer Arbeit mit Patienten, besonders in kritischen Situationen, besser zurechtzukommen und sich unterwegs sicherer fühlen.
Wichtig ist aber nicht nur die Frage wie reagiere ich, sondern auch was kann ich im Vorfeld schon tun um mich vor Gewalt zu schützen. Dazu gehören ganz klar die Körperhaltung und ein selbstsicheres Auftreten.

Wie fanden die Pflegedienst-Mitarbeiter die Tipps und Übungen?
Die Mitarbeiter waren froh über die praktischen Tipps. Noch während des Kurses haben mir mehrere Teilnehmer berichtet, wie sie bei ihrer Arbeit einfache Befreiungstechniken erfolgreich anwenden konnten. Ich finde das ist eine tolle Rückmeldung. Sie zeigt mir, dass sich ein Selbstverteidigungskurs für viele Bereiche des täglichen Lebens lohnen kann.
Inzwischen haben schon weitere Pflegeeinrichtungen Kurse bei mir angefragt.