Die 12 Kata des Goju-Ryu Karate

Chōjun Miyagi (1888–1953) legte 12 Kata für das Gōjū-Ryū fest:

 

Gekisaidaichi / Gekisaidani

Die Übersetzung dieser Zeichen meint “zerstören, demolieren”. Diese Katas wurden eingeführt, um Anfänger in der Kunst einen ersten Einstieg zu liefern. Sie entstanden um das Jahr 1944 herum, das deutlich vom 2. Weltkrieg auf Okinawa geprägt war. In den ursprünglichen Versionen der Kata wurde der erste Fauststoß auch sehr hoch (über das eigene Jodan hinaus) ausgeführt, was einen Konter gegen einen sehr großen (amerikanischen) Gegner symbolisiert. Diese beiden Basiskatas dienen hauptsächlich zum Üben von grundlegenden Angriffs-und Verteidigungstechniken.

Sanchin

Sanchin bedeutet “3 Kämpfe”. Gemeint ist hierbei der Kampf von Geist, Seele und Körper. Durch hartes Training und beständiges Üben sollen alle drei vereint werden. Ursprünglich wurde diese Atem-Kata mit offenen Händen von Kanryo Higashionna gelehrt, Miyagi änderte dies zu geschlossenen Fäusten.

Tensho

Tensho bedeutet “Drehende Hände”. Diese Atem-Kata wurde von Miyagi selbst entwickelt. Sie verbindet Elemente aus dem Sanchin mit größerer Weichheit aus dem “Weißer-Kranich-Stil” des Quan’fa.

Tensho ist nach Miyagis Reise in die südchinesische Stadt Foochow, Provinz Fukien, entstanden. Bei der Entwicklung orientierte sich Miyagi besonders an der chinesischen Kata Tao Rokishu.

Auch Tensho enthält wesentliche Elemente des Goju-ryu. Als Gegensatz zum Harten (jap.go) in Sanchin übt man in Tensho speziell das Weiche (jap. ju). Zudem lernt man in Tensho, seine Kraft über eine eher kurz ausgeführte Atmung zu konzentrieren.

Die beiden Katas Sanchin and Tensho ergänzen sich und bilden zusammen ein Paar, das die grundlegenden Charakteristiken des Goju-ryu umfasst.

Saifa

Saifa ist die Bedeutung von “Zerstörende Schläge”. Ursprünglich wurde das zweite Zeichen “ha” ausgesprochen, änderte sich aber durch den okinawanischen Einfluß zu “fa”. Zusammen wird “reissen “gemeint, was in der Kata auch durch einige Techniken symbolisiert wird.Die Schlagtechniken sind kreisförmig und werden zum Tell mit den Armgelenken (Handgelenk) ausgeführt. Erst im Moment der Kraftabgabe werden die Muskeln gespannt und die Gelenke gestreckt, um so die gesamte Energie zu fokussieren.

Seiyunchin

“Kämpfen über die Distanz”, oder “Das Gleichgewicht brechen”. Seinchin ist eine der Ju-Kata, die Sensei Higashionna aus China mitbrachte, und gilt als “die Goju-Ryu-Kata”. Sie entstammt dem sog. chinesischen “Weißer-Kranich-Stil” und ist vor allem durch den sehr häufig vorkommenden Shiko-Dachi geprägt, was auf den Einfluß des Naha-Te zurückzuführen ist, der durch seine tiefen Stände charakterisiert wird. Der Shiko-Dachi ist eine der Schlüsselstellungen des Goju-Ryu.

Seiyunchin wurde zur Förderung eines starken und stabilen Standes entwickelt. Ohne einen starken Stand ist es unmöglich, eine volle Kraftentfaltung zu erreichen. Deshalb wird die Stellung Shiko dachi in Seiyunchin stark betont. Auch enthält Seiyunchin mehrere Zieh- und Wurftechniken für Nahkampfsituationen. Fussschlagtechniken kommen dagegen nicht vor.

Sanseru

Sanseru bedeutet “36”. Die Interpretation dieser Zahl in Verbindung mit der Kata variieren. Die Kata ist geprägt von tiefen Tritten (Kansetzu-Geri, Gedan Mae-Geri), sowie Halte- und Hebeltechniken. Auch diese Kata wurde von Higashionna aus China mitgebracht.

In Sanseiru werden Bewegungen und Techniken speziell für den Nahkampf in alle vier Richtungen ausgeführt. In der Realität erfolgt ein Angriff oft vollständig überraschend und ohne Vorwarnung. Sanseiru folgt diesem Rhythmus. Ruhe wechselt plötzlich in schnelle Aktion und langsamen, weichen Bewegungen folgen unmittelbar explosive Techniken. Sanseiru dient dazu, diese Schnelligkeit und Kraft zu entwickeln.

Shisochin

Shi-so-chin bedeutet “Kampf in vier Richtungen”. Das letzte Zeichen ist dasselbe wie auch in Sanchin, Seinchin etc. Diese Kata ist geprägt durch viele offene Handtechniken, die dem chinesischen “Tiger-Stil” entstammen. Auch der Shi-so-chin wurde von Higashionna nach seiner Reise nach China erst ins Naha-Te aufgenommen. Der Name charakterisiert die Kata sehr gut. Die zentrale Stelle sind Techniken in alle vier Richtungen.

Wie Sanseiru betont Shisochin zudem die Ausführung von Techniken in alle vier Richtungen. Zusätzlich zu Stosstechniken, die die Distanz zwischen sich und dem Gegner vergrössern, enthält Shisoshin auch Techniken für Nahkampfsituationen (z.B. Stechtechniken, Gelenkhebel).

Sepai

Sepai bedeutet “18”. Auch hier taucht eine Rechnung über “3×6=18” auf. Meitoku Yagi wies stets darauf hin, daß die Stände der Sepai aus dem Stil des “weißen Kranichs” stammen. Die Angriffs- und Abwehr-Kombinationen in (Furi-Uchi in Bensoku-Dachi) weisen ebenfalls wie das Tai-Sabaki (Fußarbeit) der Kata eindeutig darauf hin.

Sepai hat mehrere bemerkenswerte Charakteristiken: Die Angriffsrichtungen in Sepai sind nicht immer frontal und werden auch in einem Winkel von 45° zum Gegner angewendet. Um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, wird ein vorgängiges Sinken mit darauffolgendem Anheben des eigenen Körpers bei der Kraftabgabe eingesetzt. Es kommen auch viele verborgene Techniken und Täuschungen zur Verwirrung des Gegners vor, wie zum Beispiel Antäuschung von Angriffen auf Hüfthöhe gefolgt von Schlagtechniken auf Kopfhöhe.

Sesan

Seisan beinhaltet viele kontrastierende Techniken, zum Beispiel schnelle und runde zu geraden Bewegungen oder schnelle, explosive zu langsamen, wuchtigen Bewegungen. Die schnellen und langsamen Techniken werden beide mit minimaler Körperbewegung ausgeführt, um die Kraftballung in den Punkt der Kraftabgabe zu konzentrieren. Wie in Seienchin and Shisochin werden auch hier Nahkampftechniken angewendet.

Kururunfa

Der chinesische Name der Kata nennt die Kampfkunst, die im buddhistischen Kloster auf dem Berg Kun lun trainiert wurde. Der japanische Name soll auf eine Bergwächterin mit Namen Yama Gamae zurückzuführen sein.

Kururunfa ist eine Kata mit vielen schnellen Techniken. Das Ausweichen ist ein Schlüsselelement. Drei Arten des Ausweichens kommen dabei zur Anwendung: zur Seite gleiten, Zickzack-Bewegungen und Hüftausweichbewegungen. All diese Bewegungen werden schnell und geschmeidig ausgeführt.

Suparinpai

Suparinpai bedeutet soviel wie “108” (chin. yi bai ling ba). Nach buddhistischem Verständnis verfügt jeder Mensch über 108 Quellen des Unglücks, die er im Laufe seines Lebens zu überwinden hat. Die Zahl 108 verweist einerseits auf den buddhistischen Ursprung der Kata und anderseits auf die Anzahl der darin enthaltenen Techniken.

Suparinpai wird auch Betchurin (chin. bai bu lian, dt. Die 100 Schritte vereinen) genannt. Die Zahl 100 steht dabei für eine sehr grosse, fast unzählbare Menge, und die Schritte meinen Techniken. “Bai bu lian” bedeutet demnach: “Eine Kata, die viele Techniken vereint”.

Suparimpai gilt als die schwierigste Kata im Goju-ryu. Sie enthält viele Offenhandtechniken mit Betonung auf beidhändigen Techniken. Der simultane Gebrauch beider Hände für Kontertechniken, Doppelschläge und Würfe zeigt das hohe Niveau dieser Kata und erlaubt fast endlose Kombinationen.